Von Homosexuellen bis zu älteren Menschen: Diskriminierte Gruppen geraten zunehmend unter Druck

Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark veröffentlicht die jüngsten Zahlen rund um Diskriminierung in der Steiermark. Im Fokus stehen die Bewegungen von diskriminierten Gruppen. Leiterin Grabovac: „Wir brauchen ein verstärktes Miteinander.“

Es ist eine zweigeteilte Statistik, die die Antidiskriminierungsstelle Steiermark bei der Vorstellung ihres aktuellen Jahresberichts präsentierte: Auf der einen Seite stehen 704 Anfragen, die im Jahr 2018 direkt an die Antidiskriminierungsstelle Steiermark gerichtet wurden. Andererseits gingen innerhalb eines Jahres auch 1957 Meldungen über BanHate ein, also über jene mobile App, mit der Hasspostings plattformunabhängig auf sozialen Netzwerken und anderen Medien gemeldet werden können. „Wir müssen diese Zahlen getrennt voneinander bewerten. Die von uns im Jahr 2017 initiierte BanHate-App behandelt Meldungen aus ganz Österreich und auch aus Deutschland. Wir werten diese Hasspostings aus und leiten diese dann an die zuständigen Behörden weiter“, erklärt Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark.

Es sind also die 704 regionalen und direkt an die Antidiskriminierungsstelle gerichteten Anfragen, die eine Einschätzung zur Diskriminierung in der Steiermark möglich machen. Insgesamt intervenierte die Stelle in 528 Fällen. Die häufigsten Diskriminierungsgründe sind die ethnische Herkunft (35,04 Prozent), die Religion (12,31 Prozent) sowie das Alter (10,04 Prozent) – gemeinsam machen sie mehr als die Hälfte aller in der Steiermark gemeldeten Diskriminierungen aus. „Ausgenommen in dieser Statistik ist der Lebensbereich Internet, also Hasspostings. Diese wurden direkt über die BanHate-App gemeldet und seperat ausgewertet“, so Grabovac.

Gleichbleibend sind laut Statistik die Diskriminierungen aufgrund der ­ethnischen Herkunft, der Religion sowie der Hautfarbe: Mehr als die Hälfte (52,07 Prozent) aller Fälle waren im Jahr 2018 auf diese drei ­Diskriminierungsgründe zurückzuführen. 2017 waren es im Vergleich insgesamt 53,6 Prozent. Grabovac: „Viele in den Communities haben die Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lage inzwischen leider bereits aufgegeben. Hier ist es umso wichtiger, dass wir als Antidiskriminierungsstelle ein Sprachrohr für jene Menschen bleiben, die selbst nicht laut genug sein können oder wollen.“

Einen besonderen Fokus legte Grabovac bei der Präsentation des Berichts am Mittwoch auf die Bewegungen diskriminierter Gruppen, die zunehmend unter Druck geraten: „Wenn es um den Kampf der eigenen Rechte geht, so führen diskriminierte Gruppen diesen Kampf meist sehr individuell. Der einen Gruppe gelingt die Durchsetzung ihrer Anliegen besser, der anderen Gruppe weniger gut. Dabei geht es aber fast immer um dieselben Ziele. Zudem besteht auch die Gefahr, dass die Gruppen untereinander ausgespielt werden. Auf diese Weise entstehen gewisse Hierarchien, welche die Gruppen auch von innen schwächen. Die Lösung kann daher nur sein, dass man zusammenarbeitet. Zu oft vergessen wir, dass das, was wir allein nicht schaffen, gemeinsam gelingen kann. Das ist auch ein Auftrag für die kommenden Jahre.“

Im Jahresbericht selbst wird folgenden diskriminierten Gruppen ein eigenes Kapitel gewidmet: der Frauenbewegung, der Homosexuellenbewegung, der Anti-Rassismusbewegung sowie der Behindertenbewegung und der Bewegung für die Rechte von älteren Menschen.

Insgesamt sind die aktuellen Zahlen zur Diskriminierung in der Steiermark im Vergleich zu den Vorjahren konstant. „Trotzdem fällt uns in der ­täglichen Arbeit verstärkt auf, dass die moralischen Barrieren weiter fallen“, sagt Grabovac. Diskriminierung sei ein Phänomen mit vielen Facetten. Wo immer Menschen aufeinander treffen, entstehe Raum für Konflikte und Diskriminierung. Grabovac: „Polarisierungen, die die Gesellschaft spalten, dürfen wir nicht zulassen. Die Monitoring-Funktion, die wir hier als Antidiskriminierungsstelle im Auftrag des Landes Steiermark und der Stadt Graz ausüben, ist eine wichtige. Sie hilft zu klären, wo wir als Gesellschaft genauer hinsehen müssen und wo nachgebessert werden muss, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden.“ Das Um und Auf ist laut Grabovac die Sensibilisierung: „Erst wer erkennt, wie verletzend Dikriminierungen für Menschen sein können, versteht, dass wir dagegen ankämpfen müssen.“

Download Jahresbericht 2018: www.antidiskriminierungsstelle.steiermark.at/link/jb2018

Landesrätin Doris Kampus (Soziales und Integration):
„Hemmschwellen sinken weiter“

„Gewalt hat heutzutage leichtes Spiel. Social-Media-Plattformen vernetzen gleichgesinnte Menschen miteinander – leider auch jene, die Hass verbreiten. Betroffen sind dabei zumeist Frauen: Sie werden besonders häufig zur Zielscheibe digitaler Gewalt in Form von frauenverachtenden bis hin zu sexistischen Kommentaren. Den Tätern hingegen vermittelt die durch Algorithmen entstehende Filterblase dabei sogar noch den Eindruck, der Großteil ihrer Mitmenschen würde ohnehin dieselben negativen Gedanken teilen. Hemmschwellen sinken weiter, die Gewalt verbreitet sich und überträgt sich womöglich in die Realität. Menschen, die aus prekären sozialen Verhältnissen stammen und nach Zugehörigkeit und Perspektiven suchen, sind leider besonders empfänglich für solches, oftmals sogar radikales Gedankengut. Umso wichtiger ist es, dass wir auch die Täter zurück in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft holen und ihre Sorgen ernstnehmen.

Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark leistet in diesem Zusammenhang einen besonders wichtigen Beitrag. Sie steht nicht nur den Opfern bei und macht Gewalt sichtbar, sondern verhindert durch aufklärende Täterarbeit auch, dass sich Hass multipliziert. In welchem Ausmaß dies auch 2018 wieder geschehen ist, zeigt der nun neu veröffentlichte Jahresbericht. Mein Dank gilt dem Team der Antidiskriminierungsstelle, allen voran aber der Leiterin Daniela Grabovac: Danke für diesen wichtigen Beitrag an der Gesellschaft!“

Stadtrat Kurt Hohensinner (Bildung, Soziales und Integration): „Bemühen um ein funktionierendes Miteinander“
„Die Arten der Diskriminierungsfälle sind nicht nur vielfältig, sondern wandeln sich auch laufend. Neben bekannten Szenarien wie Rassismus im Alltag oder Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts gewinnen neue Herausforderungen, vor allem im Zusammenhang mit den Sozialen Medien, immer mehr an Bedeutung. Mit der BanHate-App hat die Antidiskriminierungsstelle in diesem Bereich ein umfangreiches Service etabliert, das weit über die steirischen Grenzen hinaus bis hin nach Deutschland genutzt wird. Die ursprünglich angenommenen Nutzungszahlen wurden dabei weit übertroffen.

Auch offline sehen wir leider immer wieder negative Entwicklungen, die es zu bewältigen gilt. Wie schon in den Jahren davor betreffen rund zwei Drittel der gemeldeten Fälle den Ballungsraum Graz. Deshalb setzen wir als Stadt auch zahlreiche Projekte in diesem Bereich um. Bildung ist dabei einer der wesentlichen Schlüssel. Projekte wie „Trialog“, „Perspektivenwechsel“ oder auch „Heroes“ setzen bei der Jugend an, um schon in diesem wichtigen Alter aktiv gegen Diskriminierungen verschiedenster Art anzukämpfen. Gerade in Zeiten zahlreicher neuer Herausforderungen müssen wir uns verstärkt und jeden Tag aufs Neue gemeinsam um ein funktionierendes Miteinander bemühen.

Ein verlässlicher Partner ist dabei die Antidiskriminierungsstelle Steiermark. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich für das Engagement bedanken, für den umfangreichen und aufschlussreichen Jahresbericht 2018 sowie für den unermüdlichen und kontinuierlichen Einsatz, wenn es darum geht, die Steiermark und Graz noch diskriminierungsfreier und menschlicher zu gestalten.“

 

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Michael Pech

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